Pilzsaison an der Bergstrasse

Christa Jöckel aus Schannenbach beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit der Natur und insbesondere mit Pilzen. Sie ist in der Landwirtschaft aufgewachsen und interessierte sich bereits früh dafür, welche Pflanzen und Pilze genutzt werden können. Vor gut einem Jahr legte sie ihre Prüfung als Pilzsachverständige ab. Durch Seminare und ihre langjährige Beschäftigung mit Pilzen konnte sie sich umfangreiches Wissen aneignen.

Vorsicht beim Pilzesammeln

Jöckel betont, dass man Pilze nur mit ausreichendem Fachwissen sammeln und verwenden sollte. Es gibt essbare, ungenießbare und giftige Pilzarten. Besonders gefährlich ist der Grüne Knollenblätterpilz, der auch in den Wäldern rund um Schannenbach vorkommt. Er kann mit essbaren Pilzen verwechselt werden und schwere Vergiftungen verursachen.

Auch bei Champignons ist Vorsicht geboten. Es gibt essbare, aber auch ungenießbare und giftige Arten. Deshalb bezeichnet Jöckel den Champignon ausdrücklich als keinen Anfängerpilz. Ein wichtiger Hinweis ist der Geruch: Riecht ein Pilz nach Tinte, Karbol oder einem Medizinschrank, sollte man ihn stehen lassen. Außerdem können sich durch den Klimawandel Pilzarten in unserer Region ausbreiten, die normalerweise eher in südlichen Ländern vorkommen. Dadurch wird die sichere Bestimmung zusätzlich erschwert.

Zu den beliebten Speisepilzen gehören Pfifferlinge und Steinpilze. Pfifferlinge dürfen in kleinen Mengen für den eigenen Bedarf gesammelt werden. Steinpilze erkennt man an den Röhren unter ihrem Hut. Allerdings gibt es auch hier verschiedene Arten. Gerät beispielsweise ein Gallenröhrling in ein Pilzgericht, kann dessen extrem bitterer Geschmack das gesamte Essen ungenießbar machen.

Die sichere Bestimmung von Pilzen

Die Bestimmung von Pilzen ist oft schwierig. Nach Aussage von Christa Jöckel reicht es nicht aus, sich allein auf Fotos zu verlassen. Sie muss einen Pilz selbst in der Hand halten, fühlen und riechen können. Dabei untersucht sie unter anderem die Unterseite des Hutes, um festzustellen, ob es sich um einen Lamellenpilz oder einen Röhrenpilz handelt.

Bei schwierigen Fällen kann auch das Sporenpulver helfen, einen Pilz genauer zu bestimmen. Dafür benötigt man jedoch mehrere Stunden. Zu diesem Zeitpunkt ist der Pilz möglicherweise nicht mehr für den frischen Verzehr geeignet. Deshalb sollte man unbekannte Pilze nicht einfach sammeln und später ungeprüft essen.

Die Bedeutung der Pilze für die Natur

Pilze sind viel mehr als die Fruchtkörper, die wir oberhalb des Bodens sehen. Der größte Teil eines Pilzes besteht aus einem unterirdischen Netz aus feinen Pilzfäden. Dieses Geflecht wird als Myzel bezeichnet und kann sich über große Flächen erstrecken.

Besonders wichtig sind sogenannte Mykorrhiza-Pilze. Sie leben in einer engen Gemeinschaft mit Bäumen und anderen Pflanzen. Beide Seiten profitieren von dieser Verbindung: Die Pilze helfen den Pflanzen, Wasser und Nährstoffe aus dem Boden aufzunehmen. Im Gegenzug erhalten die Pilze von ihren Partnerpflanzen wichtige Nährstoffe.

Nach dem trockenen Sommer müssen die Pilze diese Beziehungen zunächst wieder unterstützen und stabilisieren. Deshalb erwartet Jöckel, dass die Fruchtkörper in diesem Herbst kleiner ausfallen könnten. Die sichtbaren Pilze sind nämlich nur ein kleiner Teil des gesamten Organismus.